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22.06.2009

„Die Hauptsache sind die Menschen“

Professor Günther Boheim, Vorsitzender der Wittener Lebenshilfe, wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

BildEigenes Foto: Sozialdezernent Frank Schweppe mit Margit und Günther Boheim und Landrat Arnim Brux (v.l.).

Was wir freiwillig tun, bereitet uns keine Mühe“, sagte der dritte amerikanische Präsident Thomas Jefferson einmal. Er muss Menschen wie Professor Günther Boheim gekannt haben. Sei mehr als 30 Jahren setzt sich der gebürtige Düsseldorfer für die Wittener Lebenshilfe ein und hat sie – auch wenn er es nicht gerne hört – maßgeblich mit aufgebaut. Gestern wurde er für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.
Eine schöne Auszeichnung, sagt er bescheiden. Doch viel entscheidender sei für ihn, dass damit die Lebenshilfe als Hort für Menschen mit geistiger Behinderung wahrgenommen und anerkannt werde. „Die Hauptsache sind die Menschen. Mir ist wichtig, dass man sieht, dass die Menschen mit Behinderung an der Gesellschaft teilhaben können.“
Alles begann Ende der sechziger Jahre in Aachen, wo Boheim und seine Frau Margrit studierten. Ihre Tochter Martina ist geistig behindert und wurde in Aachen von der Lebenshilfe einmal pro Woche betreut. Als die Familie aus beruflichen Gründen erst zum Bodensee und später nach Witten umzog – Boheim arbeitete bis 2003 in der Fakultät für Biologie an der Ruhr-Universität Bochum – blieb sie der Lebenshilfe treu.
Die Angebote für geistig behinderte Menschen waren in Witten damals aber noch lange nicht so vielfältig wie heute. Der Kindergarten auf dem Helenenberg war in einer Holzhütte, die Wohnheime an der Dortmunder und Pferdebachstraße gab es noch nicht, auch die Frühförderstelle am Wannen war noch Zukunftsmusik. Doch genau daran arbeitete Boheim, der als Kassenprüfer bei der hiesigen Lebenshilfe anfing und 1987 zum Vorsitzenden berufen wurde, von Anfang an. Die Frühförderung lag ihm besonders am Herzen. „Ich wollte unbedingt, dass schon ganz früh intensive Förderung möglich ist, sagt der 69-Jährige. Denn so könne man erreichen, dass sich Kinder, die von Behinderung bedroht sind, so normal wie möglich entwickeln.
Aber auch die berufliche Erfüllung von Menschen mit Behinderungen und ihre Freizeitgestaltung hatte die Lebenshilfe immer auf der Agenda: So wurde schon 1979 der „Freizeit-Club Lebenshilfe“ ins Leben gerufen. Heutzutage arbeiten rund 200 geistig behinderte und 100 psychisch behinderte Menschen in der Werkstatt der Lebenshilfe an der Dortmunder Straße und in der Gärtnerei. „Die Lebenshilfe betreut Menschen mit geistiger Behinderung von der Geburt bis zum Tod“, sagt Boheim.
Für Hobbys blieb neben seiner Arbeit als Universitätsprofessor und seinem Ehrenamt, das längst eine Leidenschaft geworden war, kaum noch Zeit. Eigentlich auch nicht nach Boheims Pensionierung. Jetzt rufen die Lebenshilfe, seine Frau und er noch die Stiftung der Lebenshilfe Witten in Leben, die Menschen mit geistiger Behinderung fördern will. „Hobbys? Ich verbringe gerne Zeit mit meiner Tochter“, sagt Boheim. 41 ist Martina mittlerweile und lebt in einem Wohnheim der Lebenshilfe. Ganz klar, möchte man denken, denn die Lebenshilfe ist ein Teil der Familie geworden.

(Quelle: WAZ , 17.06.2009, Autorin: Claudia Vüllers)