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23.06.2012

40 Jahre Werkstatt für behinderte Menschen

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Gleich zwei runde Geburtstage feierte die SoVD-Lebenshilfe Witten an diesem Wochenende. Seit genau 40 Jahren gibt es die Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) an der Dortmunder Straße, gegründet 1972 als „Reichsbund-Lebenshilfe GmbH für berufliche Bildung Behinderter, Werkstatt für Behinderte in Witten“.
Den zehnten Geburtstag begeht in diesem Jahr die Abteilung IDL (Industrie-Dienstleistungen), ein Bereich der Werkstatt, der den Bedürfnissen psychisch erkrankter Menschen Rechnung trägt.

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Zwei gute Gründe also für eine Rück- und Vorschau in feierlichem Rahmen. Rund 120 geladene Gäste hatten sich im Pflanzraum der SoVD-Lebenshilfe eingefunden, darunter Vertreter der großen Parteien, Ehrenamtliche, Förderer, Vorstandsmitglieder, Mitarbeiter und natürlich die behinderten Menschen selbst. Horst Stürz, Uwe Fladrich, Udo Schickentanz und Barbara Finkensiep

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eröffneten als Beschäftigte der „ersten Stunde“ gemeinsam mit dem Geschäftsführer der SoVD-Lebenshilfe, Herrn Dr. Dieter König, und Herrn Peter Michel, Leiter des Begleitenden Dienstes der Hauptwerkstatt, die Feierstunde und nahmen voller Stolz die Urkunden für ihre 40-jährige Tätigkeit in der WfbM entgegen.

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Nach dem kurzen Grußwort der stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt Witten, Frau Beate Gronau, eröffnete Herr Prof. Dr. Günther Boheim, Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe Witten, den Reigen der Redner. Nach einem kurzen Rückblick auf die Geschichte der Werkstatt und der Würdigung des ersten Geschäftsführers Arthur Raillon, „ohne den es die Werkstatt heute

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nicht gäbe“, fand er persönliche Worte des Dankes für Mitarbeiter und Beschäftigte der Werkstatt, versäumte es, selbst Vater einer schwerstbehinderten erwachsenen Tochter, aber auch nicht, einen kritischen Blick auf das allgegenwärtige Thema „Inklusion“ zu werfen: „Wir wollen auch die Menschen nicht vergessen, die die hohen Ansprüche, die die Inklusion an sie stellt, nicht erfüllen können.“

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Auch die anderen Redner griffen das Thema Inklusion vor dem Hintergrund der UN-Behindertenkonventionen auf. Adolf Bauer, Präsident des SoVD Deutschland, unterstrich den Grundgedanken, der hinter dem viel strapazierten Begriff steht, machte aber unmissverständlich klar, dass das Existenzrecht der Werkstätten für behinderte Menschen in keiner Weise angezweifelt werden dürfe, solange der erste Arbeitsmarkt nicht auf die Bedürfnisse der betroffenen Menschen zugeschnitten sei, was auf unabsehbare Zeit wohl der Fall sein werde: "Solange es hier also keine ausreichenden Konzepte gibt, um die Bereitwilligkeit der Arbeitgeber zu erhöhen, behinderte Menschen anzustellen, solange Unterstützungsprogramme für den allgemeinen Arbeitsmarkt unzureichend sind, solange nicht geklärt ist, wie man Teilhabe von Menschen umsetzen kann, die nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können – solange ist jede Debatte um die Zukunft der Werkstätten für behinderte Menschen völlig verfehlt!"

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In eine ähnliche Richtung gingen die Worte des Vorsitzenden der Bundesvereinigung Lebenshilfe, Robert Antretter: „Der Weg der Lebenshilfe ist gepflastert mit Visionen. Wir stehen voll hinter der Idee der Inklusion, die viele Chancen bietet. Behinderte Menschen können vieles allein, aber für die Dinge, die sie nicht können, werden wir ihnen immer zur Seite stehen!“ Kritische Worte fand er für den „Perfektionswahn“ innerhalb der Gesellschaft, der dafür sorge, dass der „unperfekte Mensch zunehmend der Geringschätzung der Gesellschaft ausgesetzt sei.“

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Während Dr. Ralf Brauksiepe, parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, ausgleichende Worte fand und die Gleichgewichtigkeit von Inklusion und der Aufgabe der Werkstätten betonte, wurde Guntram Schneider, Minister für Arbeit, Integration und Soziales, deutlicher: „Zugang und Akzeptanz in der Gesellschaft hängen unmittelbar von der Arbeit ab!“ In seiner charismatischen Rede verteidigte der Minister leidenschaftlich die Bedeutung der Inklusion und kündigte bereits für Anfang Juli einen Kabinettsbeschluss zum Inklusionsplan der Landesregierung an. Er verdeutlichte aber auch, dass dies nicht die Abschaffung von Einrichtungen wie den
Werkstätten bedeuten könne und man bei diesem Thema einen langen Atem brauche: „Wir können nicht auf Knopfdruck Mentalitäten ändern. Was wir brauchen, ist Barrierefreiheit in den Köpfen!“

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Er scheute sich nicht, wie bereits Robert Antretter vor ihm, an die Euthanasie des NS-Regimes zu erinnern: „Eine Unterscheidung in ‚normal‘ und ‚unnormal‘ darf und wird es nie wieder geben!“ Aufgelockert wurde die nachhaltige Rede Guntram Schneiders durch spitze Bemerkungen an die Adresse Ralf Brauksiepes („Diese Regierung steht auf wirklich festen Füßen!“). Der allerdings hatte selbst in seiner Rede bereits die Vorlage für die freundlichen Sticheleien geliefert hatte, indem er darauf verwiesen hatte, dass er und Minister Schneider sich in der Vergangenheit schon häufiger „hätten ertragen müssen“.

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Für die wundervolle Untermalung der von allen Rednern unterstrichenen wichtigen Rolle, die behinderte Menschen nicht nur im Arbeitsleben, sondern in allen Bereichen des Alltags und der Kultur spielen, sorgte die „Kämpen-Band“, die aus Schülern und Lehrern der Kämpenschule (Förderschule für den EN-Kreis) besteht. Sie präsentierte ein

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vielseitiges Repertoire auf hohem musikalischem Niveau mit vielen beeindruckenden Einzelleistungen – so interpretierte Sängerin Steffi sehr souverän Nenas Lied „Liebe ist…“. Auch das selbst geschriebene Stück „Oioioi“, das die Begeisterung eines Bandmitgliedes aufgriff, das nicht sprechen kann, sprühte vor Lebensfreude und Spaß an der Musik. Zu Recht bekam die Band am Ende der Feierstunde Standing Ovations.

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Zum Abschluss ehrte Herr Dr. Dieter König noch einige langjährige und verdiente ehrenamtliche Helfer der Lebenshilfe: Herr Prof. Dr. Günther Boheim, Frau Margot Lutz, Herr Harald Herrmann, Herr Frank Fenske und Herr Helmut Etzkorn wurden auf die Bühne gebeten. Fünf behinderte Menschen als Paten überreichten ihnen eine äußerst originelle Trophäe in Form des „Starproduktes“ der Werkstatt, nämlich die „Heizungsstange 817“ in Gold. Die Dankesworte der auf diese Weise Geehrten erinnerten in ihrer Bescheidenheit noch einmal an das wahre Fundament der SoVD-Lebenshilfe: Menschliches Engagement und tatkräftige Hilfe zur Selbsthilfe.

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