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08.02.2012

1 : 1 für Lukas!

Mittwochvormittag, 10 Uhr. In der fünften Klasse der Holzkamp-Gesamtschule beginnt der Englischunterricht. Ein ganz normaler Schulalltag in einer ganz normalen Klasse. Auf den zweiten Blick fällt allerdings einer der Schüler aus dem Rahmen – ist Timo nicht ein bisschen zu groß im Vergleich zu den Mitschülern? Ein zweiter Lehrer? Eine zusätzliche Aufsichtskraft? Weder noch – Timo Aufermann (29) ist Integrationshelfer und begleitet Lukas durch den Schulalltag. Lukas hat eine Form von Autismus. Autisten haben Schwierigkeiten im sozialen Bereich, der Umgang mit anderen fällt ihnen schwer, weil bestimmte Fähigkeiten wie Empathie nicht oder nur schwach ausgeprägt sind. Die sensorische Wahrnehmung hingegen ist oft deutlich stärker ausgeprägt als bei anderen Menschen. Lärm, Enge, Berührung stellen eine große Belastung dar und machen den Schulbesuch zur Herausforderung, die auf Dauer zum unerträglichen Stress werden kann. Die intellektuellen Fähigkeiten sind aber in der Regel nicht eingeschränkt, so dass der Besuch einer Förderschule nicht angebracht wäre.

Gestern hat die Klasse eine Englischarbeit zurück bekommen, die nun besprochen und korrigiert wird. Lukas hat eine „2 +“. „Er liegt von den Leistungen her immer im oberen Bereich“, berichtet Timo Aufermann, „schwieriger ist der organisatorische Aspekt. Da fehlt dann mal ein Arbeitsblatt oder ein Lehrbuch. Auch beim Sport und im Kunstunterricht gab es Anfangsschwierigkeiten, weil Lukas motorische Probleme hat. Das haben wir aber gut in den Griff bekommen.“ Aufmerksam lauscht Lukas dem Lehrer, schaut oft hilfesuchend zu Timo, der neben ihm sitzt. „Where is your text?“ – Englischlehrer Johannes Achtsnichts behält Lukas im Auge, Timo hilft, den Text herauszusuchen. „Lukas ist ein guter Schüler, wir kommen prima miteinander zurecht“, erzählt der Pädagoge. „ Und wenn es mal nicht so rund läuft, wenn Lukas ungeduldig oder auch einmal wütend wird, dann ist Herr Aufermann da. Er ist für uns Lehrer eine große Unterstützung.“

Irmgard Roel-Straetling, Leiterin des Bereiches Integrationshilfe beim Familienunterstützenden Dienst (FuD) der Lebenshilfe Witten, weiß, wie wichtig die Aufgabe des Integrationshelfers ist. „Durch diese Unterstützung können viele Kinder mit Behinderung von Anfang an eine Regelschule besuchen. Viele Eltern wissen allerdings nicht, dass diese Hilfe auch an den weiterführenden Regelschulen zur Verfügung steht. Integrationshilfe ist nicht auf die Grundschule beschränkt. Gerade Kinder und Jugendliche wie Lukas profitieren enorm von dieser Form der individuellen Unterstützung und Förderung, der 1:1-Betreuung.“ Natürlich muss bei einer so engen Beziehung die Chemie stimmen: „Wir suchen gemeinsam mit dem Kind und dessen Eltern den jeweiligen Integrationshelfer aus. Männlich oder weiblich, Vorbildung und Erfahrung und die persönliche Sympathie – da müssen viele Aspekte berücksichtigt werden. Und natürlich muss die jeweilige Regelschule bereit sein, sich auf einen Schüler mit Handicap einzulassen. Wir freuen uns sehr, dass die Holzkamp-Gesamtschule Lukas diese Chance gibt.“

Die Schüler der Klasse wurden durch eine altersgerechte Schulung auf Lukas‘ Besonderheiten vorbereitet, und auch die Eltern und natürlich die Lehrer wurden entsprechend informiert.
„Er hat einige Freunde in der Klasse, mit denen er sich gut versteht und die mit seiner besonderen Art prima klar kommen“, berichtet Timo Aufermann. „Natürlich gibt es auch mal Streit, wie bei allen Jugendlichen in dem Alter.“
Lukas‘ „größter“ Freund ist jedenfalls immer dabei. Welche Vertrautheit zwischen den beiden besteht, kann man in einem ruhigen Moment beobachten – liebevoll streicht der Junge seinem Betreuer übers Haar.

1 : 1 für Lukas!

Info-Kasten:

Integrationshilfe für Kinder und Jugendliche mit körperlichen und/oder geistigen und seelischen Behinderungen ist in allen bestehenden Schulformen möglich.
Finanziert werden kann die Integrationshilfe entweder über das Jugendamt oder über den Sozialhilfeträger. Der Familienunterstützende Dienst leistet Hilfestellung bei der Beantragung der Integrationshilfe.

Interessierte Eltern können sich informieren bei:

Irmgard Roel-Straetling (FuD)
Dortmunder Straße 75
58453 Witten
Tel.: 0 23 02 / 910 38 - 933
Mail: irmgard.roel@alw-witten.de

Homepage: www.lebenshilfe-witten.de

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