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15.07.2013

"Pech gehabt - Down-Syndrom!"

Am 9. Juni fand in den Räumlichkeiten der Lebenshilfe die inzwischen bereits zur Tradition gewordene Podiumsdiskussion vor der im September anstehenden Bundestagswahl an.
Das Christopherus-Haus Dortmund und die Lebenshilfen Witten und Bochum luden zu diesem Anlass Kandidaten für den Bundestag aus den örtlichen Wahlkreisen zur Diskussion, die sich den Fragen des Publikums zu den wichtigen Themen der Behindertenpolitik stellten.
Geladen und erschienen waren Steffen Kanitz von der CDU, Ralf Kapschack von der SPD und Gabriele Molitor (MdB) von der FDP, Bündnis90/Die Grünen waren vertreten durch Markus Kurth (MdB), von den LINKEN war Helmut Kanand gekommen. Die Moderation der Podiumsdiskussion übernahm Johannes Denger, Referent des Verbandes für anthroposophische Heilpädagogik, Sozialtherapie und soziale Arbeit.

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Gut gefüllt war der Pflanzraum der Dortmunder Straße an diesem Abend, Menschen mit Behinderungen, Angehörige, Interessiert, Mitglieder und Mitarbeiter der Lebenshilfen und des Christopherus-Hauses waren zahlreich erschienen.
Bereits bei der Vorstellung und dem kurzen Statement der Politiker zeigten sich deutliche Unterschiede im Profil und in der Erfahrung. Beifall fand Gabriele Molitor mit ihrem Standpunkt, dass die Politik den rechtlichen „Rahmen“ schaffen müsse,

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am „Bild“ aber die gesamte Gesellschaft mitarbeiten müsse und dass die jetzige Politik der vorschnellen Beschlüsse nicht gut gehen könne. Ralf Kapschack forderte ganzheitliches Denken, Barrierefreiheit auch im übertragenen Sinne, während Markus Kurth anmahnte, dass es Inklusion nicht zum Nulltarif gebe. Auch der Vertreter der LINKEN, Helmut Kanand, warnte davor, schulische Inklusion als Einsparmöglichkeit zu missbrauchen.
Viele Themen brannten den Menschen im Publikum auf den Nägeln. Prof. Dr. Günther Boheim, Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe Witten, äußerte die berechtigte Sorge, dass die schwerst geistig behinderten Menschen bei der Inklusion auf der Strecke bleiben könnten und fand damit viel Rückhalt im Publikum. Auch das Wahlrecht für behinderte Menschen war ein viel diskutiertes Thema, ebenso wie die unmittelbare politische Teilhabe. Zu Recht forderte Dr. Carsten Rensinghoff im Publikum die Politiker zur Verwendung der Leichten Sprache auf, was leider nur in geringem Umfang umgesetzt wurde.

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Dass Veranstaltungen wie diese durchaus auch zu konkreten und handfesten Ergebnissen führen können, bewies Manon Füllgraf, Leiterin der additiven Kita Helenenberg der Lebenshilfe Witten: Sie hielt einen flammenden, provokativen und in jeder Hinsicht sehr bewegenden Vortrag über die unfassbare Ungerechtigkeit, dass Kinder mit Behinderungen in der inklusiven Kita einen geringeren Anspruch auf Betreuungsstunden haben als Kinder ohne besonderen Förderbedarf – „Pech gehabt! Down-Syndrom!“ - und weckte damit nicht nur das Interesse der anwesenden Politiker, die zugeben mussten, davon nichts gewusst zu haben, sondern auch die Aufmerksamkeit der Vertreterin des LWL (Landschaftsverband Westfalen-Lippe), der hier in der Verantwortung steht, und vor allem jene der Redaktionsleiterin der Ruhr Nachrichten Witten, Susanne Linka, die der Presse-Einladung gefolgt war, um über die Diskussion zu berichten.
In den folgenden Tagen nach der Veranstaltung ergaben sich, wohl vor allem durch den Druck der Pressevertreter, konstruktive Verhandlungen der Verantwortlichen, so dass sich jetzt eine Lösung in diesem Konflikt abzeichnet. Genauer nachzulesen sind die Details hier:

Ruhr Nachrichten1
Ruhr Nachrichten 2

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Blieb die Podiumsdiskussion insgesamt ein wenig blass, so zeigte die Veranstaltung dennoch, dass das direkte Gespräch zwischen Bürgern und Politikern durch nichts zu ersetzen ist und für beide Seiten eine unschätzbar wichtige Kontaktstelle ist und bleiben sollte.
Wie viel von den Beteuerungen der Parteivertreter vor Ort auch wirklichen Niederschlag im realen Alltagsgeschehen der Politik finden wird, bleibt abzuwarten.