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12.09.2012

Neue Wege

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Auf neue Pfade wagte sich am Wochenende die Lebenshilfe Witten.
Auch in diesem Jahr haben in den Kindereinrichtungen der Lebenshilfe wieder zahlreiche JahrespraktikantInnen ihre Tätigkeit aufgenommen.
„Das ist oft eine schwierige Situation für die jungen Menschen“, weiß Manon Füllgraf, Leiterin der additiven Kindertagesstätte Helenenberg. „Da kommen plötzlich von allen Seiten Erwartungen und Anforderungen, die manch einen der PraktikantInnen frustrieren oder sogar überfordern. Der ungewohnte Umgang mit den Kinder, den Eltern und den

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Mitarbeiterinnen, die Angst zu versagen – vieles stürmt auf die jungen Leute ein.“
Was also liegt näher, dachte sich Manon Füllgraf, die als Diplom-Pädagogin auch am Comenius Kolleg unterrichtete, als den PraktikantInnen eine praxisbezogene Starthilfe zu geben? Sie entwarf ein maßgeschneidertes Programm und lud die PraktikantInnen Anfang September zum Ganztagsseminar in die Einrichtung Helenenberg.

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So kommt es, dass nun zehn junge Menschen, sieben Frauen, und drei Männer, mit verhaltener Neugier im Stuhlkreis sitzen und abwarten, was da wohl kommen mag.

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Sehr schnell wird klar: Dies wird keine trockene Belehrung! Manon Füllgraf vertreibt mit ihrer direkten und herzlichen Art sehr schnell Anspannung und Unsicherheit bei ihren jungen Zuhörern, Bewegungs- und Entspannungsphasen tun ihr Übriges. Und genau das ist ihr auch wichtig: „Hier geht es nicht darum, die PraktikantInnen auf Linie zu bringen, sondern ihnen deutlich zu machen, dass wir ihnen große Wertschätzung entgegen bringen, dass wir ihre Hilfe brauchen und uns auf eine Zusammenarbeit freuen!“
Dieser Grundgedanke zeigt sich von Anfang an im Ablauf des Programmes: Zu Beginn berichtet jeder in der Runde, wie er oder sie die ersten Tage in den Einrichtungen erlebt hat. Wovor hatte ich Angst? In welchen Bereichen war ich unsicher? Worüber habe ich mich gefreut? Ist der Beruf überhaupt das Richtige für mich?

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Viele hatten Angst, nicht akzeptiert zu werden, unbeabsichtigt Regeln zu verletzen. Unsicher waren viele der TeilnehmerInnen, was den Umgang mit den Kindern angeht, gerade mit den ganz kleinen aus den U3-Gruppen. Einige der PraktikantInnen haben bereits einen beruflichen Hintergrund und dementsprechend differenziertere Ängste – einer der Praktikanten hat schon eine Ausbildung als Orthopädie-Mechaniker und in diesem Zusammenhang nicht viel Gutes erlebt: „Ich lege allergrößten Wert auf absolut ehrliches Feedback von den festen MitarbeiterInnen. Fehler kann man nur vermeiden, wenn man offen darauf hingewiesen wird. Mobbing und schlechtes Gerede hinter meinem Rücken habe ich genug erlebt. Ich genieße die gute Atmosphäre hier!“ Auch Daniel, gelernter Hörgeräteakustiker, stimmt zu: „Das positive Arbeitsklima hat mich von Anfang an begeistert.“

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Gefreut haben sich die meisten auch über das Vertrauen, das ihnen entgegen gebracht wird, über den guten Kontakt zu den Kindern und die Möglichkeit, bei Unsicherheiten immer nachfragen zu dürfen. Aber natürlich gab es auch Enttäuschungen. So sorgen zum Beispiel mangelnde finanzielle Mittel für sinnvolle Hilfsmittel und Programme manchmal für Frustration.
Aber wie sieht es eigentlich mit den Erwartungen der festen MitarbeiterInnen aus? Was erwarten sie wohl von den PraktikantInnen? In Arbeitsgruppen stellen die Teilnehmer zusammen, welche Erwartungen sie vermuten. Da kommen viele übereinstimmende Punkte: Ehrlichkeit, Engagement, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, soziale Kompetenz. Es wird offensichtlich, dass die jungen Menschen genau wissen, was in dem von ihnen angestrebten Beruf von ihnen erwartet wird.

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Manon Füllgraf hat es natürlich nicht versäumt, auch die andere Seite zu befragen. Stimmt es? Sind dies wirklich die Erwartungen der Mitarbeiterinnen? Der Blick auf die Liste, die die MitarbeiterInnen zusammengestellt haben, zeigt schnell: Ja, die PraktikantInnen liegen richtig. Die meisten Punkte tauchen auch hier wieder auf, die Übereinstimmung ist erstaunlich. „Die Basis stimmt also“, freut sich Manon Füllgraf. „Wichtig ist die Kommunikation! Sie ist das Herzstück jeder

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Zusammenarbeit und jedes menschlichen Kontaktes. Unser heutiges Treffen hat sicher geholfen, die eigene Wahrnehmung zu schärfen und sich die Bereitschaft, die Erwartungen der anderen zu berücksichtigen, bewusster zu machen,“ freut sich Manon Füllgraf. Sie bemüht sich, wichtige Punkte mit anschaulichen Beispielen aus ihrer langjährigen Berufspraxis zu verdeutlichen, macht aber auch ganz deutlich: „Auch Ihr müsst Eure Grenzen wahren. In einem Beruf, in dem so viele Anforderungen gestellt werden, muss man auch lernen, die eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen.“

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Eine nette Idee: Die PraktikantInnen des Vorjahres waren gebeten worden, vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen den „Neuen“ etwas mit auf den Weg zu geben. „Probiere aus!“, „Stell‘ Fragen!“, „Bring Dich ein!“, „Zeige Eigeninitiative!“
Letzteres hat zumindest Praktikant Jörn zweifellos bereits verinnerlicht – um einem der Kinder seiner Gruppe den Umgang mit dem Rollstuhl schmackhaft zu machen, hat er ein passendes Exemplar für sich selbst besorgt: „Wir fahren Renen gegeneinander. Das macht uns beiden jede Menge Spaß!“

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Manon Füllgraf hat im Nachhinein viel positives Feedback von der Teilnehmern bekommen. „Es tat den Teilnehmern gut, zu sehen, dass die anderen mit ebensolchen Ängsten an den Start gegangen sind wie sie selbst. Auch die Praxisbeispiele, die ich angeführt habe, sind sehr gut angekommen. Es wurde angeregt, das Thema der gegenseitigen Erwartungen noch zu vertiefen und durch neue Ideen zu erweitern.“
Die Pädagogin plant, dieses Einführungsseminar nun jedes Jahr zu veranstalten, in enger Kooperation mit den anderen Einrichtungen für Kinder.