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11.05.2017

"EinBlick in meine Welt" - Fotoausstellung beeindruckt die Besucher

„EinBlick in meine Welt“ – eine ganz besondere Ausstellung ist zurzeit im Konferenzraum der Lebenshilfe Witten zu sehen.

Jan Platzmann hat in einer der Wohnstätten der Lebenshilfe Witten seine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger absolviert. Als nun die Abschlussarbeit für das Comenius Berufskolleg anstand, kam ihm die Idee für ein ganz besonderes Projekt: „Ich habe gemerkt, dass Menschen mit schwerstmehrfacher Behinderung nach wie vor keine gesellschaftliche Integration leben und erleben. Dass sie sogar geradezu exkludiert sind, wenn es um die Teilhabe an der Digitalisierung des Alltags geht.“ Bei einer Ferienfreizeit hatte Jan Platzmann bemerkt, dass die Teilnehmer viel Freude daran hatten, eigenständig Fotos zu machen. Gleichzeitig aber fiel ihm auf, dass dabei schnell eine Art Bevormundung entstand, indem man die Menschen mit Behinderung aktiv auf reizvolle Motive aufmerksam machte.

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Jan Platzmann schritt zur Tat und besorgte eine geeignete Kamera, sturzsicher und wasserfest. Diese Kamera gab er morgens ab – den ganzen Tag über durften die sechs Teilnehmer des Projektes völlig selbständig so viele Aufnahmen machen wie sie wollten. Abends bekam er die Kamera zurück und sichtete die Fotos. Daraus ist eine einzigartige Collage entstanden – Gesichter, Situationen, Tiere, Gegenstände. Ein einzigartiger Einblick in die Gefühlswelt der schwerstmehrfachbehinderten Menschen. Diese Collage bildet den Mittelpunkt der Ausstellung, die der angehende Heilerziehungspfleger zusammengestellt hat. Wie eine Art Tor hängt das große Plakat vor der Tür des Ausstellungsraumes. Der Blick der Besucher bleibt sofort an den vielen kleinen Bildern hängen, geht auf Entdeckungsreise.

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Wenn man dieses bunte „Tor“ durchschritten hat, erlebt man den zweiten Aspekt dieser

einzigartigen Ausstellung, der sich damit beschäftigt, auf welche Weise Menschen mit schwerstmehrfacher Behinderung ihre Emotionen mitteilen. Die Fotos an den Wänden zeigen Porträtaufnahmen der Teilnehmer. Die unterschiedlichsten Gesichtsausdrücke kann man dort sehen – nicht immer leicht einzuordnen. Deshalb hängen unter den gerahmten Fotos kleinere Bilder, die den jeweiligen Auslöser der festgehaltenen Emotionen zeigen. Jan Platzmann hat seinen Fotomodellen von einem neben ihnen sitzenden Mitbewohner bestimmte Symbole in Form von „Smileys“ zeigen lassen: Lachen, Wut, Traurigkeit, Liebe oder ein neutrales Gesicht. Diesen Zusammenhang zu sehen, eröffnet dem Betrachter völlig neue Zugangsweisen. Noch spannender ist es an anderer Stelle – dort liegen die Fotos, die den jeweiligen Auslöser zeigen, verdeckt. Erst, nachdem man selbst versucht hat, die Gefühle der dargestellten Menschen zu erkennen, sieht man sich die „Auflösung“ an. Gar nicht so leicht, denn manchmal sind es winzige Nuancen, die sehr viel bedeuten. Zwei Fotos, die auf den ersten Blick identisch scheinen, offenbaren auf den zweiten Blick winzige Unterschiede in der Mimik.

Dr. Dieter König, Geschäftsführer der Lebenshilfe Witten, ist begeistert von der Ausstellung: „Jeder Mensch, ob mit oder ohne Behinderung, hat eine ganz eigene Art, seine Gefühle zu äußern. Diese Ausstellung lädt uns ein, ganz genau hinzuschauen und uns der Unterschiede und Gemeinsamkeiten bewusst zu werden. Dieser Blick hilft uns, im Miteinander noch mehr Verständnis zu entwickeln.“ Auch Claudia Wolmerath, stellvertretende Leiterin des Comenius Berufskolleg, ist sehr beeindruckt vom Projekt ihres Schülers. „Die Bilder sind faszinierend! Menschen mit Behinderung können ebenso am alltäglichen Umgang mit Medien teilnehmen wie alle anderen. Dieser unmittelbare Einblick in ihre Gefühlswelt ist großartig.“ Und noch etwas lobt die Pädagogin: „Im Rahmen dieser Projektarbeit wird ganz deutlich, welch große Wertschätzung Herr Platzmann den Menschen, die er betreut, entgegenbringt. Sein Einsatz geht weit hinaus über den üblichen Rahmen einer solchen Arbeit. Und seine zugewandte Haltung ist einfach wunderbar!“

Die Ausstellung ist am 12., 17. und 19. Mai von 10 – 16 Uhr und am 15. Mai von 10 – 13 Uhr im Konferenzraum des Lebenshilfe-Centers an der Dortmunder Straße geöffnet.

Danach wird sie im Comenius Berufskolleg zu sehen sein.

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